Freitag, 1. August 2008

Ach Sewa, wohin gehst du denn jetzt?

So oder so ähnlich haben mich in letzter Zeit viele Leute nach meinen Ambitionen nach der Schule befragt. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich weiß es noch immer nicht. Ich freue mich für all diejenigen, die jetzt schon wissen, was sie machen wollen. Ob jetzt schon fleißig im Zivildienst, als Arbeitskraft mit backpack im outback, beim Ausfüllen der Immatrikulationsbescheinigungen, des Ausbildungsvertrages oder ganz devot beim Bund - herzlichen Glückwunsch, ihr wisst, wohin ihr wollt! Obwohl ich persönlich den Grundwehrdienst beim Bund für möglichst viele ersparen würde, weil ich eine pazifistische Grundhaltung habe (ich weiß, viele werden jetzt sagen, Pazifismus, Pazifismus, alles Gelapp...).

Ja, wie geht's für mich weiter? Ursprünglich habe ich mein fernes Studienziel schon gefunden, den Master in "Raumentwicklung und Infrastruktursysteme" an der ETH Zürich. Das bekloppte Bachelor-Master-System hat aber alles für mich schwieriger gemacht. Ursprünglich sollte man (oder auch frau) ja von jedem fachnahen Bachelor zu jedem fachnahen Master springen können. Die Realität - so habe ich letzten Wochen und Monate leidvoll erfahren müssen - sieht aber ganz anders aus: Jede Uni kocht ihr eigenes Süppchen, erkennt diese Bachelorabschlüsse nicht an und überhaupt "wenn Sie bei uns studieren wollen, da sollten Sie schon Ihren Bachelor in Aachen, Darmstadt, Hamburg oder Zürich gemacht haben, sonst nehmen wir wir Sie nicht. Aber feste Zusagen, ob wir Ihre erbrachten Studienleistungen anerkennen, können wir ohnehin nicht machen..."

Tja, und so sieht's aus: Nachdem ich vier Bewerbungen abgeschickt (eine an die HafenCity Universität Hamburg für "Stadtplanung", eine an die TU Dresden für "Verkehrswirtschaft", und zwei Alibi-Bewerbungen als "Notfall-Hängematte" an die TU Berlin und Uni Leipzig) und überall Zusagen habe, bin ich kein Stückchen weiter.

Wenn ich den Master an der ETH Zürich erreichen will, ist die HCU Hamburg Voraussetzung (ohne Garantie natürlich). Ansonsten könnte ich auch fünf Jahre "Verkehrswirtschaft" an der TU Dresden durchstudieren, hätte aber keinen der doch oft begehrten ETH-Abschlüsse. Vom Ort her wäre mir Dresden schon lieber: Hier kenne ich Leute, die Stadt ist ok und weit nach Hause ist's auch nicht. Dagegen wäre mir die "Stadtplanung" ein Tick lieber als die "Verkehrswirtschaft" und ein Wechsel zwischen beiden Studiengängen ist nicht möglich. In Hamburg winkt ein guter Studiengang, ein netter Abschluss und gleichzeitig eine potthässliche Stadt, in der ich nicht einen einzigen kenne. Abgesehen davon dürfte die Wohnungssituation in Dresden weitaus entspannter sein als in der Hansestadt.

Nun was tun? Manche gaben mir den Ratschlag Dresden ("ja, da bist du nicht ganz aus der Welt...") und ich musste entgegenhalten, welcher Massenstudiengang mich dort erwartet. Dagegen ist dieses kleine Studenten-Grüppchen im hohen Norden doch echt familiär. Knapp zwei Wochen habe ich noch Zeit, dann ist Fristende an der TU Dresden, bis dahin tagt noch einmal der Familienrat.

Montag, 26. Mai 2008

Ein Wort zum Abend

… oder zwei.

Es gibt eine gesellschaftliche Randgruppe, der man mit Spott und offener Kritik begegnen muss – jeder! Gemeint ist konkret ein lächerliches Häuflein Menschen, die ob ihrer Beschränktheit einem Mann und seiner Ideologie verfallen, der die Dummheit zum Staat gemacht hat und das wieder versuchen. Es darf nicht sein, dass Menschen z.B. aus Angst vor körperlichen Übergriffen öffentliche Aktivitäten gegen Nazis unterlassen. Genau das kann Anfang einer gefährlichen Spirale sein, deren Ende die Terrorherrschaft einer aktiven Dumm- und Minderheit ist. Die Nazis sind zur Zeit nicht gerade das Hauptproblem der Deutschen, das Hauptproblem scheint eher überzogenes Anspruchsdenken zu sein. Aber aus unerfülltem Anspruchsdenken könnte sich Empfänglichkeit für das Gedankengut extremer Randgruppen entwickeln.
Natürlich habe ich kein Rückgrat zum Zerschlagen – keiner hat das, deswegen ist es wichtig, dass keiner die Initiative verliert und sich treiben lässt, damit die „vernünftige Gesellschaft“ als solche intakt bleibt. Ebenso darf eine Zeit temporären wirtschaftlichen Abstiegs nicht dazu führen, unüberlegt extremen Randparteien Macht zukommen zu lassen.
Doch nun kurz zu etwas ganz anderem.

Ich bemerke einen Trend der Produktion von Gütern, der diese immer filigraner werden und mit weniger Aufwand immer mehr Erreichen lässt. So kann beispielsweise das Außenblech einer neuen Waschmaschine dünner und trotzdem aufgrund von Verbesserungen von Material und Design widerstandsfähiger als das des alten Modells sein sein. Der Motor des neuen Modells wird leichter, leiser und stärker sein als der des Vorgängers. Und das ganze Gerät wird weniger kosten.
Bei Autos hingegen habe ich teilweise eher einen gegenteiligen Eindruck. Sie werden schwerer, luxuriöser, verbrauchen nicht viel weniger Sprit als vor 20 Jahren… Sicherlich trifft das, was ich über die Waschmaschine gesagt habe auch auf Autos zu, doch solange US-Amerikaner, Deutsche und Andere das Auto als Fetisch betrachten, werden sie nicht an einer effizienteren Fortbewegung interessiert sein.
… und wieder ein Gedankensprung!

Vögel sind dumm. – könnte man zumindest denken, dabei denke ich nicht nur an den bekloppten Specht vom vor-vorletzten Post. Das habe ich gemerkt, als ich heute mit dem Rad recht zügig an einem Baum vorbeigefahren bin, hinter dem ein Vogel saß, wohl eine Amsel. Anstatt nach rechts auszuweichen, der Baum stand rechterhand, flitzt der Vogel wie von der Tarantel gestochen flach am Boden in meine Richtung – das ganze innerhalb von weniger als einer Zehntelsekunde. In der ich ziemlich genau einen Meter zurücklege.
Nun ja, jedenfalls hätte ich ihn fast überfahren, erwischte ihn knapp am Flügel, aber er flog weiter und schien unverletzt.
Wahrscheinlich ist er nicht so dumm, wie einem das Gleiche in menschlichen Maßstäben erscheinen würde: Ein Lkw kommt hinter einer Hausecke hervorgefahren, eine auf dem Gehweg befindliche Person erschrickt und hastet, um dem Laster zu entkommen, auf die Fahrbahn, wird aber zum Glück nur am Arm erwischt und ist unverletzt. Der Vogel trägt einfach nur das Erbe seiner Evolution in sich – und die enthält keine Wesen, die zehnmal so groß wie er sind, sich mit gleicher Geschwindigkeit wie er fortbewegen können und, was hier ironisch ist, ihm nichts zu Leide tun wollen.

Der Mensch ist dumm. – könnte man denken, wenn man sich die Geschichte der Menschheit anschaut. Immer wieder Kriege, unkontrollierte Massenvernichtung von menschlichem Glück und Leben sowie eine unglaubliche Vergeudung von Natur und Gütern.
Wahrscheinlich ist er nicht so dumm, wie einem dies mit menschlichen Maßstäben erscheint. Der Mensch trägt einfach nur das Erbe seiner Evolution in sich – und die enthält keine Waffen, die tausende Menschen auf einmal töten. Rivalitäten sorgten für eine klare Hierarchie, und die war lebenswichtig. Sie konnten durch einen Kampf gelöst werden. Doch unter Staaten mit Millionen von Menschen muss es keine Hierarchie geben, Zusammenarbeit und die friedliche Lösung von Problemen ist viel wichtiger. Im Kalten Krieg hat sich gezeigt, dass es möglich ist, Vernunft den schlimmen Teil des durch die Evolution Ererbten bändigen zu lassen. Diese Bändigung zum Wohle Aller sollte zu einem der obersten Ziele menschlicher Bestrebungen werden.

Dienstag, 20. Mai 2008

Piep, piep

Mangelnde Rücksicht gegenüber Zweiradfahrern im Straßenverkehr führt immer wieder zu schweren, oft tödlichen Unfällen. Motorrad- wie Fahrradfahrer werden unter anderem aufgrund ihrer schmalen Silhouette und zu niedrig eingeschätzter Geschwindigkeit häufig zum Opfer unaufmerksamer Pkw- und Lkw-Fahrer.
Moment mal, Herr Kunze, was wird das denn jetzt? Eine Einleitung à la: „Fahrt alle vorsichtiger, liebe böse Autofahrer, und die Welt wird ganz toll“, oder noch mal Fahrschule? – Nein. Nicht ganz. Zumindest nicht nur.

Kürzlich las ich in der Zeitung von einem Bikertreffen mit dem Motto: „Mehr Aufmerksamkeit gegenüber Zweiradfahrern im Straßenverkehr“ (o.ä.). Das scheint Not zu tun. Allerdings wird nicht nur Unaufmerksamkeit, sondern eine generelle Einstellung Zweiradfahrern zum Problem.
Motorradfahrer, gern als fahrende Organspender abgestempelt, leben nicht nur aufgrund ihrer eigenen Fahrweise im Straßenverkehr gefährlich. Seit ein guter Freund bei einem Motorradunfall lebensgefährlich verletzt wurde, ihm wurde die Vorfahrt genommen, geht mir beim Hören derartiger Pauschalisierung der Hut hoch.

Als Fahrradfahrer kenne ich ähnliche Situationen – nur allzu oft wird man von Pkw- und Lastwagenfahrern abgedrängt, geschnitten, viel zu schnell und viel zu nah überholt. Manche Autofahrer sind anscheinend der Meinung, ein prinzipielles Recht darauf zu haben, Radfahrer in jeder Situation mit jeder beliebigen Geschwindigkeit überholen zu dürfen – das ist es, was mich am häufigsten zum Fluchen bringt. Fährt der Radfahrer vor einem zu knappen Überholvorgang unwillkürlich einen halben Meter nach links, ist es um ihn geschehen. Ein Radfahrer hat nun mal keine Knautschzone! Man merkt manchen Autofahrern das Wissen an, in einem Unfall der Stärkere zu sein.
Zur Erinnerung: Laut StVO hat das Überholen so zu erfolgen, dass eine Gefährdung aller Beteiligten ausgeschlossen ist. Insbesondere muss ein ausreichender seitlicher Abstand eingehalten werden (beides §5 (4) StVO). Gerichte erachten in der Regel einen Abstand von mindestens 1,5 Metern als ausreichend, bei höheren Geschwindigkeiten auch mehr. Diese Fahrschullektion liegt offensichtlich bei vielen lange zurück. Und: Jedem Verkehrsteilnehmer auf der Fahrbahn steht grundsätzlich erst mal eine Spur zu. Wenn kein Platz ist, muss eben hinter dem Radfahrer geblieben werden.

Vor kurzem ist mir Folgendes passiert: Ich rolle als Radfahrer an eine Ampelkreuzung heran (Chemnitz Margaretenstr./Frankenberger Str. aus Richtung Emilienstr.) und will rechts an den Fahrzeugen vorbeifahren – diese Möglichkeit ist nun mal einer der wenigen rechtlichen Vorzüge, die man als Radfahrer gegenüber Autofahrern hat. Entgegen Gerüchten ist es legal, wenn genug Platz ist (§5 (8) StVO). Kurz bevor ich rechts an einem der stehenden Fahrzeuge vorbeifahre, sehe ich eine ältere Hand die Tür öffnen. Ich kann noch bremsen und denke mir: Der wird mich wohl nicht gesehen haben und will aussteigen. Er hat einen Fehler gemacht, passiert. Laut Verkehrsordnung muss man sich zwar vergewissern, dass man beim Öffnen der Tür niemanden behindert (§14), aber das verzeihe ich ja. Ich warte, doch da will anscheinend doch niemand aussteigen, na so was. Die Tür bleibt offen. Nach einer Weil zeigt die Ampel grün. Die Tür schließt sich. Der Wagen fährt ab. Wie bitte?
Hier legt jemand vorsätzlich aggressives und gefährliches Verhalten gegen mich an den Tag, aber zu welchem Zweck? Um Wut gegenüber „Rambo-Radlern“ an einem willkürlichen Beispiel mal so richtig zu zeigen? Radfahrer sind einzeln betrachtet gefährdetere Verkehrsteilnehmer und in einem Unfall stets unterlegen. Müssen das Autofahrer unbedingt durch rücksichtslose Fahrweise noch betonen? Radfahrer behindern Autofahrer, aber haben Autofahrer ein Recht darauf, ungehindert an ihr Ziel zu kommen? Und behindern Autofahrer nicht Radfahrer ebenso?

Doch der schlechte Ruf von Radfahrern im Straßenverkehr äußert sich nicht nur im Fahrverhalten von Autofahrern. Er durchdringt die Gesellschaft und damit auch die Verwaltung in einer Art, die zum Beispiel dazu führt, dass Radfahrer auf Radwege abgeschoben werden.
Ich nenne kurz, was Udo Steinbach auf dieser Webseite ausführlich darlegt: Es herrscht, wo Radwege existieren, Benutzungspflicht. Doch Radfahrer werden mit Radwegen eher diskriminiert und gefährdet, als dass ihnen damit geholfen wird oder gar die Sicherheit erhöht würde. Radwege sind verwinkelter, schmaler, holpriger, meist dreckiger und länger als die Fahrbahn. Sie sind schlechter beleuchtet, gewähren weniger Sicht und sind vollgestellt mit Hindernissen, wie Fußgängern, Mülltonnen, Schildern und Laternen. Sie sind, entgegen einem Versprechen, nicht getrennt vom Autoverkehr – das merkt man an jeder Kreuzung und wenn man sich überlegt, welches Hindernis Bordsteine und Grünstreifen für ein außer Kontrolle geratenes Kraftfahrzeug darstellen: gar keines.
Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: Da wäre zum Beispiel als relativ gutes Beispiel der größte Teil des Radweges zwischen Chemnitz/Beutenberg und Niederwiesa. Er ist deutlich durch einen Graben und Bäume sowie Leitplanken, insgesamt etwa 5–10 m, von der Schnellstraße getrennt. Er ist asphaltiert, meist sauber, direkt und meist hindernisfrei. Nicht perfekt, aber ziemlich gut.
Eine Idee, die unter Umständen Zukunft haben könnte, ist der Shared Space. Dabei soll der Verkehrsraum auf eine einheitliche Fläche vereinfacht und auf Verkehrsschilder und Ampeln möglichst verzichtet werden. Wesentlich daran ist, dass Regeln und Verbote durch soziale Richtlinien ersetzt werden und das Miteinander der Verkehrsteilnehmer erhöht werden soll. Vor allem soll keine einseitige Bevorzugung bestimmter Arten von Verkehrsteilnehmern erfolgen, wie heute die Bevorzugung von Kraftfahrzeugführern gegenüber Fußgängern und Radfahrern. Es ist offen, ob dies für Hauptstraßen durchsetzbar ist und zu einem besseren Verkehrsfluss für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer führen würde, doch es wäre im Falle einer Bestätigung zu begrüßen, wenn diese Verkehrsform oder eine andere fahrradfreundlichere allgemeine Anerkennung fände. Ein erster und der wichtigste Schritt wäre die Abschaffung der Radwegbenutzungspflicht – gute Radwege brauchen diese nicht! Dann würde vielleicht der konservative Ansatz, der unter anderem das nie geprüfte, erlogene Konzept der Radwege enthält, durch einen wissenschaftlich fundierten Ansatz ersetzt.

Montag, 5. Mai 2008

„Freude am naturgemäßen Gärtnern“

Seit ein paar Tagen bin ich erklärter Thermokomposterfan.

Zur Vorgeschichte ist zu sagen, dass wir uns als Familie aus wirtschaftlichen und ökologischen Überlegungen am vorletzten Wochenende einen Kompostbehälter zugelegt haben. Wir entschieden uns für ein isoliertes High-Tech-Thermokompostiergerät mit fast geräumigen 400 Litern Platz für biologischen Hausmüll, Gartenabfälle und andere Späße.
Es gibt dabei jedoch, wie bei jeder Wissenschaft, einiges zu beachten. Das „1×1 der Kompostierung“ des Herstellers, der „Freude am naturgemäßen Gärtnern“ verspricht, empfiehlt zum Beispiel, unter Anderem weder Plastik noch Glas, Metall oder Knochen in den Kompost zu geben. Klar, wenn Archäologen in ein paar Millionen Jahren in den Überresten unseres Komposthaufens Knochen fänden, könnte man auch nicht mehr von Schnellkompostierung sprechen. Aus den erhaltenen Plastikteilen könnte man dann sicher auch Rückschlüsse auf die Lebensweise des „homo composticus thermos“ o.ä. ziehen.
Bei richtiger Bedienung bietet der Kompostbehälter natürlich immense Vorteile. Nun wird die Biotonne nicht so schnell voll und es entsteht „wertvoller Kompost“ zur Verwendung im Garten – um neue Gartenabfälle effizienter zu erzeugen; ach ja, und um den Garten zu pflegen.

Doch nun zur Funktionsweise der Schnellkompostierung: Durch die doppelwandige Isolierung des oben geschlossenen Behälters kann die beim Kompostieren entstehende Wärme nur schlecht entweichen. Die Lebewesen, die Biomüll zu Humus machen, erhitzen den Behälter von innen, dabei steigt die Temperatur, durch die höhere Temperatur haben die Bakterien, Insekten , Würmer und andere Tiere bessere Lebensbedingungen und schnelleren Stoffwechsel. Das wiederum heizt den Inhalt auf und so weiter. Das ganze pegelt sich dann bei einer recht hohen Temperatur im ein, bei der es den Lebewesen im Behälter langsam zu warm wird, der Hersteller schreibt bis zu 70 °C.
Dabei gibts allerdings wirklich nichts zu lachen, wie ich feststellen musste.

Letztes Wochenende stand, nicht unabhängig vom Komposterkauf, die Anschaffung eines Rasenmähers für das regelmäßige Mähen von etwa 500 m² Wiese an. Es zeigte sich schnell, dass der Gekaufte einen viel zu kleinen Grassack aufweist, zumindest für die Erstkürzung nach einigen Monaten Wildwuchs. Kaum mähten wir eine Minute, war er schon wieder voll und durfte im Spamwagen entleert werden. Spamwagen heißt bei uns der aus dem ganzen geschnitzte, circa 25 kg schwere chinesische Handwagen, den sich mein Bruder für einen schlecht bezahlten Nebenverdienst zu einem besonders günstigen Preis bei eBay angeschafft hat. Er weist als besondere Eigenschaften Reifen auf, die einige Wochen lang für atemberaubendes Kelleraroma sorgten, sowie einen exzentrisch klappernden Stahlkörper, der jederzeit die akustische Ortung des Fahrzeugführers leicht macht.

Ausgekippt wurde der Inhalt des Spamwagens nach 100 m² allerdings nicht mehr in den High-Tech-Komposter, sondern daneben – es waren einfach schon zu viele Zwiebelschalen der vergangenen Woche drin, oder so. Jedenfalls erlangte der Grashaufen in Anlehnung an den Kompostbehälter eine immense Größe, die dessen geräumige 400-Liter leicht in den Schatten stellt.

Anfangs glaubte ich nicht, dass die paar Klein- und Kleinstlebewesen Temperaturen in Geschirrspülerqualität erzeugen. Doch weit gefehlt! Als ich zum Test mal hineingriff, verbrannte ich mir den rechten Zeigefinger. Zwar nur leicht, weil ich ihn schnell wieder herausgezogen habe, ich war jedoch erstaunt. Noch erstaunlicher finde ich, dass sich im Grashaufen am Tag des Mähens (!) ähnliche Temperaturen entwickelt haben. Nach etwa 20–30 cm Isolierung (trockenes Gras eignet sich dazu hervorragend) trifft man auf sehr heiße Schichten. Und die machen wegen seiner Ausmaße den größten Teil des Haufens aus.
Resultat ist dann, diesmal glaubte ich es, frischer Humus nach 6 Wochen. Wer das noch zu langsam findet, kann Kompostbeschleuniger vom Hersteller des Behälters verwenden, der Abfälle aus diversen Wirtschaftszweigen enthält, unter anderen welche aus der Pharmaindustrie. Hmm, lecker! So viel zum Thema „Freude am naturgemäßen Gärtnern“!

Schon das Erlebnis, sich an einem Komposthaufen die Finger zu verbrennen, ist einzigartig. Doch einen arzneimittelbeschleunigten, vor Hitze dampfenden Kompost- und Grashaufen zu sehen, das finde ich phänomenal!

Freitag, 4. April 2008

Was es mal wieder zu sagen gibt.

Rechts vor mir sind nun die Amseln geschlüpft – in der Hauswand in einem Loch, das ein bekloppter Specht dort hinterlassen hat. Wenn ich ans Fenster gehe, komme ich mit den Händen fast an das Loch heran. Mal sehen, wann die niedlichen Jungvögel flügge geworden sind; mal sehen, ob wir es dieses Jahr schaffen, die unerwünschten Mieter fernzuhalten.

Das kleine Stillleben rechts zeigt verdünnten Nektar schwarzer Johannisbeeren (¼ 25-prozentiger Nektar, ¾ Wasser), eines meiner derzeitigen Lieblingsgetränke, und andere Gegenstände.

Das andere Bild stellt eine Sammlung seltsamer alkoholhaltiger Getränke vor einem Bücherregal dar. Wie man sieht. Kirschbier gehört jedenfalls nicht zu den Dingen, die die Menschheit nötig hätte oder bedeutend voranbrächte. Genau wie der letzte Satz.

Und die Moral von diesem Post? Trink Schokolade und Trinkschokolade, iss Rumkugeln beim Rumkugeln.

Dienstag, 11. Dezember 2007

Werter Herr Goethe

[ACHTUNG: Dieser Post enthält „expressionistischen“ Inhalt, der empfindlichen Personen möglicherweise abstrus erscheint. Ich warne davor, im folgenden Text nach Sinn zu suchen. Im Zweifelsfall rate ich davon ab, ihn zu lesen.]

Neulich kam Ams mit einem Zettel zu mir und meinte: Lies mal! Was ich da zu lesen bekam, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Eine Flut kreativer Wortentfremdungen, eine expressionistische Zusammenstellung heiterer, düsterer und vor allem diskordischer Ideen und Gedanken, die mein Herz gar so entzückten, dass ich sogleich beginnen musste, diesen Text lautstark und ausdrucksvoll vorzulesen. Das empfehle ich zum besseren Verständnis und Spaß bei der Sache übrigens jedem, der dazu im Moment genug Zeit, Muse und akustische Freiheit hat.
Im Folgenden erscheint nun der besagte Originaltext¹ von Johannes F. und Fresh Nilschwein, auf dass ihr euch dran erlabet. Er selbst wurde mit dem Ziel erstellt, einen Brief an Johann Wolfgang von Goe
the zu ergeben, in dem Fragen zu seinem Sturm-und-Drang-Drama „Die Leiden des Jungen Werthers“ gestellt werden.

¹ Ich habe leichte orthografische Anpassungen vorgenommen. Auf meinem Webspace befindet sich die Originalversion und die nachfolgend zitierte leicht bereinigte Version.

Werter Herr Goethe,
in ihrem Buche fehlt die Müslikeit. Keine Schokoladensplitter sind enthalten, deswegen ist ihr Buch kompletter Schrott und ungesund noch dazu. Wart mal kurz, Mr. Goethe, ich muss das Lichtlein löschen. Er ist wieder da, sprach er. Mich an. Und wieder aus. Schatten der Igel, Lüste der Schlange, Liste des Einkaufszettels – Sonnig war, da er ein kind war, nicht wusst wo aus wo ein. Er kehrte sein verirrtes Aug nach hinten. Es dröhnte und ächzte, doch nicht. Nun bekam ich einen Löffel, selbiger aus Frauenhand. Johannestown. Meine Lieblingsstadt, Schinken. Wessen Herz begehrtest du? Von Pink, mein guter Herr. Seinesgleichen zu verachten, oder zu verneunen, das konnt‘ er ahnen. Oder nach nachfahren. Amen. Doch ihn dürstete das linke Ohr – nach Blut. Denn Blut macht mut, und schmeckt grün! Grün! Er sprach, doch niemand hörte seine Klage. Toll, wie eindrucksvoll. Fledermaus, sonst wird’s ja keine Poesie. Eindhoven, das war die Stadt des Nostradamusfernsehens. Hamster! Hamster! Überall! Sagt mal, habt ihr einen Knall? Zu texten mir des Löwen Aug‘ zur Sonne! Als wenn drunter wäre ein Unterhöslein in seinem Grabe! Grabe! Grabis, Trabis, Gabis! Oh nein, es starb, in seinem Schoße. Er ward unfruchtbar! Er entsamte seinen Schoß. Lirum, Larum, Löffelstiel. Wieso schmeckst wie pädophil, von Bär! Und hinten, kann man kleine Kinder finden! Kleine Kinder reden viel, drum kicke deinen Buchrücken! Pumuckl! Rette mich! Ich kann nicht atmen, an dieser Luft! Oh! Ein Ring des Feuers! Bin ich denn des Ungeheurs Knecht? Nein, ich bin Specht! Meine Nasenflügel sind schlecht! Meine Fußknollen sonderbar! Ich vermag des Teufels zu pönken, pänken und zu pinken! Denn Schinken ist wie Pinken von Hinten. Ich erschieße hier Menschen, doch ich fühle nichts! Mein Herz ist kahl, wie der Bundestag. Von Hinten — auf einem Pfahl. Auf einem Pfahl! Da saß es, der Otto, und — Schuss! Machen wir heut Schluss? Sieben! Acht! Neun! Denn ich werde mich freuen, häuten und den Morgen gebären. There is money on the way! Ich sei tot, meinte das Nilpferd, doch der Pädobär konnte mich überzeugen, dass Rot die richtige Antwort war. Kreuzreim! Pinker Schleim! Kreuzreim! Elfenbein! Das ist des Elfen Bein! Nicht des Elefanten Fuß. Oder dessen kleiner Sohn! Verdammt seist du, ich bekomme meinen Lohn – doch nicht zu früh, denn das wär Hohn. Hohn. Honig. Das ist alles Honig. Er lief direkt zu des Tornados Auge. Es verschlung ihn ganz. Seinen kleinen Zeh machte er sich mit Überraschungseiern platt. Wie ein platt. Nein Blatt. Chlorfrei gebleicht, dass muss gesagt sein. Vollgelaicht war seine Mutter, sie trug Laich. Meine Mutter! Wie spät es denn nun sei, fragte ich ihn. Er war nicht in der möglichen Ereignisphase. Olympiadennase. Oh, es ist was du mir antust. Sommer erschienen, doch ohne einen Bienen. Stock. Ast. Pflock. Mast. Mist. Musst. Moist. Feucht. Wasser. Kaufen, kaufen, Konsumdrang. Dronsumkang. Gemeinhin, doch wieder nicht. Telemosaik. Mmmosaik. Kame-l. Hame-h. Ha-h. Doch was geschah! Ein Kamehah? Du sprichst zu wenig, lieber Herr. Dein Buch — es hat zu wenig Flair. Denn es hat nur Scher-en. Scherben, dazu sollte es zerbrechen. Zerbrechen, gebrechen. Fliegen, Fliegen, Klatsche. Du kommst in die Klapse. Hölle. Höhle. Hohle Gans! Gohle Hans! Hänslein klein sprach allein: Wo kann nur meine Butter sein. Ist doch deine! Ich bin wieder da, laberbla! Licht erschien am Horizonte. Gohlimosiholiwonde. Es gibt Frauen, die sind Blonde. Es gibt auch Pferde mit blonden Haaren, deswegen ist ihr Kugelschrieber nach Neuseeland gefahren. Ihr Buch ist also ganz toll, ich krieg hier bald einen Knoll, das Buch ist überhaupt nicht leer, meine Ohrringe sind mir zu schwer. Fazit: Bananen sind ein guter Erdöllieferant. Für Honigbienen. Und andere Suppen.

Dieser „Brief“ hat mich derart beeindruckt, dass ich ihn sofort beantworten musste. Auf heftiges Anraten von F-lix veröffentliche ich die Antwort hier. Sein Heftiges Anraten bezog sich zwar auf meinen Text, doch da ich diesen hier nicht ohne Zusammenhang hineinstellen konnte, habe ich den Originaltext oben ebenfalls veröffentlicht, natürlich mit dankenswerter Erlaubnis der Autoren.

Werter Herr F., wertes Nilschwein,

euer Müsli ist meine Gottheit! Ich bin überpoetisch berührt über Ihre in stiller Stunde erdachte Schinken-Novelle, welche mir in höchster Form gemundet (das hat jetzt nichts mit der Verteilung von Jehovas Wachtturm zu tun, falls du das dachtest) hat. Alsbald, auch Edgar genannt, musste ich dies sogleich in Wurstbrot – Wurstbacke – verwandeln. Audiovisuell vorlesen, meinte ich – ausdrucksstark mit stets wachsamen Blicke gen publizitäre Anmaßungen. Dessen freue er sich und mich, sowie die Oma (alte Schrulle) mit Senf und Ölsardinen, wie in einer CVAG-Bahn in Zwickau. Zwiggau. Johannesburg. Johannes. Burg! Buärgg! Rüülps!! Doch Schluss mit diese onomatopoetischen Entfremdung. Fremdendung, Wurstbrot, gewissermaßen eine rosa Duftwolke mit… sagen wir: Porzellan, aus Meißen, oder Zwickau, oder wie die alle heißen *rüüülps*.

Und welche Moral ziehen wir daraus? Lass mich Lewis Carroll zitieren: „Sei niemals ununterschieden von dem, als was du jenen in dem, was du wärst oder hättest sein können dadurch erscheinen könntest, dass du unterschieden von dem wärst, was jenen so erscheinen könnte, als seiest du anders“ – oder einfacher ausgedrückt: Iss nie lila Schnee. Oder gelben, meinethalben. Nicht aber grünen, denn jenen gibt es nicht (außer montags 7-19 Uhr sowie mittwochs 13:30 - 17:23 Uhr außer an gesetzlichen Feiertagen abgesehen von Neujahr und Allerheiligen, außer in Schaltjahren).
Bitte richte Goethe meine beste Empfehlung und die Kräuteressenz dieser Nachricht aus, sowie du ihn, auch geistig, metasyntaktisch oder mental-anagryphisch, möglicherweise mit Koriander oder in Korea, treffen solltest. Danke!

Meine allerherbstlichste, notwendige Empfehlung gilt dem Dreifach-Schluckauf-Hexengeist und Simone Gelbenbecker, und zwar mit Schmackes – nur damit du es weißt.

Danke.
Franz

Freitag, 23. November 2007

Protokoll zur Musterung am 22.11.07

Vorbemerkung:

Am Mittwoch (Bus- und Betttag vor der Musterung) fühlte ich mich sehr krank und schlapp (Erkältung?) und habe deswegen meinen KDV-Antrag an diesem Tag noch nicht vollständig geschrieben (etwa eine Seite Begründung, noch kein Lebenslauf). Ich hatte noch nicht einmal gewusst, ob ich überhaupt zur Musterung gehen würde.

Kommentierter Ablauf:

So fuhr ich also ab 8:35 vom Hbf. Chemnitz ab nach Dresden. Die Zeit benutzte ich zum Nachdenken und c’t-Lesen, bis der Zug ca. 9:30 Uhr planmäßig im Hbf. Dresden eintraf. Von dort aus lief ich, auf die S-Bahn verzichtend, etwa 2 km zum Kreiswehrersatzamt. Nach Dresden musste ich, weil das Amt in Chemnitz dieses Jahr geschlossen hat.

Auf dem riesigen Areal angekommen wurde ich zunächst durch die Menschenleere und militärische Stumpfheit abgeschreckt. Ich befand mich auf einem Hof inmitten eines riesigen, lamellenartig aufgebauten Gebäudes der Bundeswehr, das umzäunt und ummauert war sowie beschildert mit „Militärischer Sicherheitsbereich – Betreten für Unbefugte verboten“. Sowie ich das Gebäude betreten hatte, verstärkte sich dieser Eindruck. Nachdem ich innen einen ausgeschilderten Weg zurückgelegt hatte, betrat ich einen Empfangssaal, wo mich ein unfreundlicher und gelangweilter Empfangssoldat, der wohl gerade seinen Grundwehrdienst ablegt, „begrüßte“. Ich stand eine Weil am Pult, dann fragte er (als ob es um etwas anderes gehen könnte): „Was is’n?“, ich teilte ihm mit, dass ich zur Musterung geladen war. Dann zog er erst einmal meine Einladung und meinen Fahrtkostenerstattungsantrag ein und verwies mich auf die Warteplätze. Nach einer halben Stunde, gegen 10:30 Uhr, wurde ich zur Anmeldung aufgerufen, bei der ein etwas schnippiger Bediensteter meine Personendaten abfragte. Als ich meinen KDV-Antrag betreffend erzählte, dass ich in verschiedenen Quellen gefunden hätte, dass man dafür ein polizeiliches Führungszeugnis bräuchte und in anderen nicht und deshalb fragte, wie es denn nun sei („Wie ist das?“), antwortete er lakonisch: „Schön“. Selten so gelacht, ha ha. Und dann fragte er noch, ob ich für Begründung und Lebenslauf keine Lust mehr gehabt hätte, weil auf dem Antrag stand, dass ich sie noch nachreichen werde.

Derart freundlich auf die Musterung eingestimmt, fühlte ich mich irgendwie in meiner „Gewissensentscheidung“ bestärkt, nicht zum Bund zu gehen. Laut Gesetzgeber gibt es da zwar keine freie Entscheidung (das Gewissen diktiert die Verweigerung oder eben nicht), aber es gibt gewisse Faktoren jenseits des Gewissens, die da mit hineinspielen.

Nach nur zwei Stunden Wartezeit im Empfangssaal wurde ich zusammen mit anderen zu musternden in ein anderes Wartezimmer gebeten, wo wir uns umziehen, unsere Sachen wegschließen, ja, und natürlich warten sollten. Kurz darauf durften wir einmal in den Becher pinkeln und nach einer weiteren Wartestunde, in der ich einen Mitschüler aus der Grundschule wieder kennenlernte, ging es zum Hör- und Sehtest, anschließend (nach etwa 20 min. Wartezeit) zur musterungsärztlichen Untersuchung (die mit der berüchtigten, aber völlig unspektakulären Intim-Inspektion). Nach Abschluss der kleinen Befragung, Beschauung und Betastung durfte ich wieder zurück in den Empfangssaal, wo ich nach kurzer Wartezeit (diesmal wirklich nur kurz) zum Abschlussgespräch und schließlich gegen 14:30 nach Hause geschickt wurde (wegen des KDV-Antrages blieben mir weitere 3 Stunden „Eignungsuntersuchung und -feststellung“ erspart).

Auf dem Weg zurück zum Hauptbahnhof Dresden kaufte ich mir noch Schokolade und Orangenlimonade und auf der Rückfahrt schrieb ich beim Genuss jener hochwertigen Nahrungsmittel diesen Bericht.